Über Erwartungen
Da liegt es also, das neue Buch und ich darf es lesen. Die Vorfreude ist immer dieselbe, der Geruch ähnlich, bis ich es aus dem Plastik habe – mehr als lästig.
Ganz entblättert überrascht die Modefarbe der Saison: Brombeere. Also. Hier liegt ein Buch im Trend. Gern würde ich zu den Lichtern unter den Menschen gehören, die sich freuen: ein Einheimischer schreibt ein Buch! Hat es geschafft. Gratulation und so. Aber nein. Was denkt es in meinen Abgründen, ganz von alleine? Es kommt über mich mit Skepsis, Neid und gezierter Ablehnung. Na ,servus, denke ich, muss ich jetzt ein Buch lesen das klingt als hätte Sasha Walleczek ein Drehbuch für SOKO Kitzbühel geschrieben? (Oder bin ich einfach nur hungrig?)
Energisch wird angefangen, und siehe da – der Sesam meines Lesevergnügens öffnet sich sacht. Zugegeben: ich wusste die Lösung. Es war so ein Gefühl, als die Figur auftauchte. Als Huhn, das jedes Krimikorn zwischen Kitzbühel und Norwegen aufgepickt hat, darf ich das richtige wohl zufällig auch einmal finden.
Ob Major Schäfer ein netter Spinner ist, weiß ich nicht,eine gute Voraussetzung für Teil 2. Er …ist ein Mensch. Die Mords-Taten sind spektakulär, kommen aber nicht im amerikanischen Schock-Stil daher. Angenehm. In den Dialogen (speziell die am Lande) gibt es zwar die einfachen Leute, die mit simplen Sätzen den Nagel auf den Kopf treffen, aber Schäfer trifft nicht ständig kluge Menschen. Oder wortkarge Denker. (Die sind vielleicht alle ins Weinviertel gezogen) Es gibt im Buch selbst produzierten Smalltalk oder einen den er selber aushalten muss.
Überhaupt sind die Dialoge oder Telefongespräche etc. etwas, das mich im Buch ans echte Leben erinnert hat, und ja! ich habe es genossen über Dörfer und Städte zu lesen, dich ich selbst kenne. Ich mag das. Wirklich.
Und vielleicht gibt es im zweiten Teil auch Frauen. Keine Klischees. Richtige Frauen. Keine Madonnen. Echte Frauen. Die sind bekanntlich auch Menschen.