Sie sind groß oder klein, schmal oder breit. Manche haben lange Finger, manche kurze - andere dicke oder dünne ... Hände. Das wäre ja nicht weiter außergewöhnlich, wäre da nicht an manchen Händen eine kleine Besonderheit ... sie sind Hebammen-Hände!
In Österreich werden im Jahr etwa 80.000 Kinder geboren-fast alle in die Hände einer Hebamme. Unsere Hände haben somit eine sehr ehrenvolle Aufgabe. Bei einigen findet das große Ereignis der Geburt zuhause statt. Bei manchen anderen überhaupt im Rettungswagen, im Treppenhaus oder an ähnlich außergewöhnlichen Orten. Die Mehrzahl aller Kinder erblickt jedoch das Licht der Welt im Kreißzimmer eines Krankenhauses. Dabei spielt es keine Rolle für welchen Ort sich eine Frau entscheidet, denn die Hauptsache ist, man fühlt sich an dem ausgewählten Ort wohl. Und da ist es eine große Aufgabe für uns Hebammen einen für die Frau fremden Ort, das Kreißzimmer, zu einem Ort der Geborgenheit und des Wohlbefindens zu machen. Für jede Frau und ihre Bedürfnisse in einer nterschiedlichen Art und Weise und jeden Tag von neuem.
"Weiß, kahl, steril, gekachelte Wände und eine zusammenfaltbare Stoffwand die das eigene Kreißbett von dem einer zweiten Frau trennt, mit der man sich das Kreißzimmer teilen mußte." Das sind die Erinnerungen meiner Großmutter an die damaligen Kreizimmer. Bei solchen Erinnerungen ist es nur zu verständlich, dass damals noch sehr wenige Frauen zur Entbindung in ein Krankenhaus wollten. Im Krankenhaus machte man sich damals wohl eher Gedanken über das Ziel des Geburtsereignisses und die reine Zweckmäßigkeit von Kreißzimmern. Zum Glück hat sich seit damals sehr viel verändert. Vor einem Jahr habe ich meiner Großmutter unser Kreißzimmer gezeigt und sie war sehr überrascht, wie toll diese heutzutage aussehen!
Und es stimmt. Heute sieht ein Kreißzimmer fast so aus, als wäre es einem "Schöner Wohnen"-Magazin entsprungen! Man findet schöne Bilder an den Wänden und in unserem Kreizimmer hängt sogar ein extra zum Thema "Geburt" angefertigtes Gemälde! Die Wände sind farbig und die Fenster zieren bunte Vorhänge. Es gibt eine tolle Gebärwanne für Wassergeburten und über dem modernen Kreißbett einen glitzernden Sternenhimmel. Die medizinischen Geräte sind natürlich vorhanden, aber nicht sichtbar für die Frauen im Kreißzimmer aufgestellt. Eine tolle Möglichkeit die Räumlichkeiten schon vor der Geburt kennen zu lernen, sind die "Storchenabende". Unbekanntes macht gern ein bisschen Angst - nützt man aber die Gelegenheit dieser Veranstaltung um sich selbst im Kreißzimmer ein bisschen umzusehen, wird einem sicher einiges von der Unsicherheit und der Angst genommen.
Das farbig schöne Ambiente ist sehr wichtig für das Wohlbefinden der Gebärenden. Jedoch noch viel wichtiger sind die Menschen die darin arbeiten! Heutzutage bekommen die Frauen in Österreich statistisch gesehen nur 1,4 Kinder. Für viele ist also die Geburt ein einmaliges Ereignis, im wahrsten Sinne des Wortes! Deshalb liegt es an uns Hebammen dieses Ereignis zu etwas Besonderem und Schönem zu machen, an das sich die Frauen ein Leben lang GERNE erinnern.
Sehr beliebt bei den werdenden Mamas sind Duftlampen oder ein Entspannungsbad mit duftenden ätherischen Ölen. Angenehme Gerüche haben einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Eine andere Möglichkeit zur Entspannung bietet auch Musik. Rhythmus und Takt finden wir in allen Lebensprozessen: der Herzschlag, die Atmung, Tag und Nacht, und des Erleben von Jahreszeiten. Rhythmus und Takt geben Geborgenheit und Stabilität. Auch eine entspannende Massage durch die Hebamme oder dem Partner, hat einen positiven Einfluss auf die Gebärende.
Ich selbst habe vor zwei Monaten die Geburtshilfe zum zweiten Mal von der "anderen Seite" erleben dürfen. Für mich sozusagen ein "Heimspiel". Aber nicht nur das schöne Ereignis der Geburt an sich, sondern auch das angenehme, mir bestens bekannte Ambiente und vor allem die Bemühungen meiner Kollegen, haben die Geburt für mich zu einem wunderbaren Erlebnis werden lassen! In diesem Sinne auch nochmals ein herzliches DANKE...
Autorin: Hebamme und Mutter Sabrina Fernsebner-Springer