Autor: OA Dr. Hugo Lunzer
Es liegt noch nicht so lange zurück, dass vor Sport in der Schwangerschaft gewarnt wurde. Dieses „Wissen“ wurde und wird dann oft an Schwangere weitergegeben. Heute besteht kein Zweifel, dass Sport in der Schwangerschaft keinesfalls schadet, sondern sogar nutzt, solange man einige Regeln beachtet.
Prinzipiell ist das Kind im Körper der Mutter durch die Haut, die darunter liegenden Schichten der Bauchwand und die Gebärmutterwand gut geschützt. Bei Stößen, Stürzen, zu abruptem Abbremsen, auch aus Drehbewegungen heraus, kann sich jedoch der Mutterkuchen von der Gebärmutter lösen, das Kind ist dann in höchster Gefahr.
Weiters ist besondere Vorsicht bei Sportarten geboten, bei denen es zu Verletzungen durch „Zusammenstöße“ kommen kann.
Schließlich verfügt der mütterliche Körper über einen hervorragenden Schutzmechanismus für das eigene Gehirn. Wenn dem mütterlichen Gehirn eine Sauerstoffarmut droht, wird Blut von anderen Organen – auch vom Mutterkuchen und damit vom Kind – Richtung mütterlichem Hirn umgeleitet. Deshalb sollen Schwangere nie so intensiv Sport betreiben, dass sie in den anaeroben Bereich kommen. Schwangere sollen also beim Sport immer gut bei Atem bleiben. Als Faustregel dazu gilt: Sie sollten sich beim Sport immer noch gut unterhalten können.
Laut deutschem Berufsverband der Frauenärzte gilt für gesunde Schwangere:
Ohne Einschränkung erlaubt (bis Herzfrequenz 130/min): Joggen, Wandern und Nordic-Walking bis 2000 m Höhe, Radfahren, Gymnastik, Tanzen, Yoga, Schwimmen bei Wassertemperatur nicht unter 20 und nicht über 35° C, Sauna max. 10 – 12 Minuten.
Erlaubt, jedoch nur deutlich unterhalb der submaximalen Belastung: Laufen, Rudern, Aerobic, Skilanglauf (nicht über 1500 m Höhe), Tennis, Squash, Badminton, Tischtennis, Segeln.
Bedingt erlaubt bis zur 16. SSW (wegen der Sturzgefahr): Schlittschuh- und Rollschuhlaufen oder Inline-Skating.
Nicht empfehlenswert: Reiten, Skiabfahrtslauf, Mannschafts- und Kampfsportarten (Ballsport, Judo, Fechten), Sport mit hohem Sturzrisiko (z.B. Wasserski, Surfen, Geräteturnen), körperliche Anstrengungen über 2000 bis 2500 m Höhe, Marathon, Triathlon, Tauchen, Fallschirmspringen oder Bunjee-Jumping.
Vorsicht: Kommt es beim Sport zu Atemnot, Unterleibsschmerzen, vaginaler Blutung, Unwohlsein, Schwindel, Augenflimmern und Kopfschmerzen, gilt ein absolutes Sportverbot! Die umgehende Kontrolle durch die Frauenärztin/ den Frauenarzt ist unumgänglich.
Auch für ungeübte Schwangere wird im ersten Schwangerschaftsdrittel mindestens 15min Sport drei Mal pro Woche empfohlen, im zweiten und dritten Drittel kann das Training auf 30min 4-5 mal pro Woche gesteigert werden. Gerade durch moderates Krafttraining kann die Muskulatur gekräftigt und schwangerschaftsbedingte Rückenschmerzen gelindert werden. Außerdem wird durch Sport der Zuckerstoffwechsel der Schwangeren gebessert, es kommt seltener zum gefürchteten „Schwangerschaftszucker“.
Für Fragen steht Ihnen das Team der Wochenstation rund um Prim. Dr. Christian Deetjen gerne zur Verfügung!
Tel. 05352-606-320