Autor: OA Dr. Hugo Lunzer
BKH - St. Johann i.T.
Als Nabelschnurblut, auch Plazentarestblut genannt, bezeichnet man das nach der Abnabelung des Kindes noch in Nabelschnur und Plazenta befindliche kindliche Blut. Nabelschnurblut ist ausgesprochen wertvoll: Es enthält viele sogenannte Stammzellen. Kann vom Körper kein Blut mehr gebildet werden, können Stammzellen diese lebenswichtige Körperfunktion wieder aufbauen. Vor über 20 Jahren gelang es erstmals, mit Hilfe von Nabelschnurblut ein Kind mit einer seltenen Bluterkrankung (Fanconi-Anämie) erfolgreich zu behandeln. Mittlerweile konnte zahlreichen Patienten mit schweren Bluterkrankungen wie Leukämie dank Stammzellen geholfen werden. Möglicherweise werden in Zukunft weitere medizinische Anwendungen von Stammzellen zum Standard werden (z.B. Diabetes Typ I, Behandlung von Hirnschädigungen…)
Die Gewinnung von Nabelschnurblut ist relativ einfach: Nach der Geburt und dem Abnabeln des Kindes wird die Nabelschnur durch geschultes Personal – Frauenarzt oder Hebamme – punktiert und so das Nabelschnurblut gewonnen. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Geburt auf natürlichem Weg oder per Kaiserschnitt erfolgt ist. Da die Nabelschnurblutentnahme erst nach Abnabeln des Kindes erfolgt, hat das Kind dann auch nicht weniger Blut, die Geburt selbst wird daher auch nicht beeinflußt. Das Nabelschnurblut wird dann über einen eigenen Transportdienst in ein Labor gebracht, wo es auf rund -130°C gekühlt wird. Bei diesen Temperaturen sind die Zellen mindestens 15 Jahre haltbar.
Die tiefgekühlten Stammzellen können dann aufgetaut werden, wenn sie benötigt werden. Durch den Aufbau von „Stammzellregistern“ ist es somit möglich, dass Krebsspezialisten im Bedarfsfall auf eine passende Stammzellspende zurückgreifen und schwerkranke Patienten heilen können. Diese Fremd-Nabelschnurspende, auch allogene Spende genannt, wird von allen anerkannten Experten begrüßt und der Aufbau von „Stammzellbanken“ gefördert bzw. gefordert. Die Finanzierung erfolgt über Spenden, für die werdenden Eltern ist die allogene Spende somit völlig kostenlos!
Die Konservierung von Nabelschnurblut für den Eigenbedarf, auch autologe Spende genannt, ist für die Eltern sehr teuer und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind das eigene Nabelschnurblut im weiteren Leben benötigt, ist nach aktuellem Forschungsstand eher als gering einzuschätzen. Nabelschnurblutspenden sind im BKH St. Johann in Tirol problemlos möglich. Weitere Informationen erhalten Sie am „Infoabend zur Geburt“ an jedem 1. Mittwoch im Monat im BKH (Tel. 05352 – 606 – 500) bzw. unter www.vivocell.org.