Autor: OA Dr. Hugo Lunzer
BKH St. Johann i. T.
Eine von Schwangeren sehr häufig gestellte Frage ist die, ob eine Urlaubsreise in der Schwangerschaft empfehlenswert ist. Es gibt auch private oder berufliche Termine, die oft mit einer weiteren Anreise verbunden sind, auf die man aber nicht verzichten möchte.
Prinzipiell gilt: Verläuft die Schwangerschaft normal und hat die Frauenärztin / der Frauenarzt keine Bedenken geäußert, können Schwangere ohne Sorge ihren Urlaub genießen und eine Reise antreten, wenn sie einige Sachen bedenken:
Während der gesamten Schwangerschaft kann es dazu kommen, dass ärztliche Hilfe oder auch eine Operation nötig wird. Das medizinische Niveau ist weltweit sehr unterschiedlich. Prinzipiell kann von einer sehr guten medizinischen Versorgung in allen deutschsprachigen Ländern und in den meisten Staaten West- und Nordeuropas ausgegangen werden. In vielen anderen Urlaubsgebieten kann der medizinische Standard deutlich niedriger als in Tirol sein.
Außerdem ist in vielen Urlaubsländern mit sprachlichen Barrieren im Falle notwendiger medizinischer Hilfe zu rechnen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Hygienestandard und eventuelle Infektionskrankheiten im Urlaubsland: Während der gesamten Schwangerschaft, ganz besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel (die Zeit der Organentwicklung), ist das Kind sehr empfindlich auf äußere schädigende Substanzen. Besonders gefährlich für das Kind sind bestimmte Infektionskrankheiten wie z.B. Malaria. Es sollten, wenn möglich, nur Reisen in Gebiete mit vergleichbarem Hygienestandard und ähnlichen Infektionskrankheiten wie bei uns unternommen werden.
Als ideale Reisezeit kann das zweite Schwangerschaftsdrittel (14. bis 28. Schwangerschaftswoche) angesehen werden: Die typischen Beschwerden des ersten Schwangerschaftsdrittels wie Schwangerschaftsübelkeit sind oft überstanden, das Risiko einer Fehlgeburt ist meist nur noch gering, außerdem ist der Bauch meist noch klein.
Im dritten Schwangerschaftsdrittel wird das Reisen wegen des immer größeren Bauches oft zunehmend beschwerlich, außerdem nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Geburt von Woche zu Woche zu. Gerade bei einer unerwarteten Geburt sollte auf ein hohes medizinisches Niveau der Geburtsklinik geachtet werden, weiters kann eine Geburt im Ausland mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden sein.
Auf eine mögliche Komplikation bei längeren Reisen muss besonders hingewiesen werden: Schwangere Frauen haben eine gesteigerte Blutgerinnung. Die gesteigerte Blutgerinnung ist ein Schutzmechanismus der Natur vor größeren Blutverlusten im Rahmen der Geburt. Gerade bei längeren Flügen oder Autofahrten wird zusätzlich oft zu wenig getrunken, das Blut wird immer dicker, durch das lange Sitzen sinkt der Blutfluss in den Beinen. Zahlreiche Risikofaktoren für die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) treffen so zusammen. Hier gilt: Die Schwangere soll sich zumindest alle 2 Stunden die Beine vertreten, ausreichend trinken und bei höherem Risiko eventuell auch Stützstrümpfe tragen und / oder Antithrombosespritzen einnehmen. Ein Gespräch mit dem Frauenarzt kann hier eventuelle Unklarheiten beseitigen.
Wenn einige Hinweise beachtet werden, kann auch in der Schwangerschaft die für viele schönste Zeit im Jahr richtig genossen werden. Vielleicht ist es diesmal ausnahmsweise keine Fernreise, sondern wir lernen dank einer Schwangerschaft unser wunderschönes Heimatland Österreich besser kennen und noch mehr schätzen?